Kommissionär

Aus Einbandforschung
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Kommissionär, Kommissionsbuchhändler, Barsortimenter

Kommissionbuchhändler kauften in der Regel einen Teil der gedruckten, ungebundenen Auflagen eines Verlagstitels auf und ließen sie nach ihren Vorstellungen binden. Im Unterschied zum Verleger bestimmte die Kommissionsbuchhandlung Einbände nicht für ein einzelnes Werk, sondern als serielle Entwürfe, die nicht nur für die Publikationen eines einzelnen Verlags eingesetzt wurden.

Leipzig war ab Ende des 19. Jahrhunderts bis hinein ins 20. Jahrhundert mit den beiden bekanntesten Firmen Friedrich_Volckmar (Volckmar) und Karl_Franz_Koehler (KFKBS) Zentrum des Kommissionsbuchhandels. Weiterhin war Albert Koch in Stuttgart (Vorgänger von Koch, Neff & Oetinger, s. KNO_Verlagsauslieferung) von Bedeutung.

Die Kommissionbuchhandlungen verkauften Anfang des 20. Jahrhunderts über die Buchhandlungen eine im Sinne des Jugendstils als eine Art Gesamtkunstwerk einheitlich gestaltete künstlerisch anspruchsvolle Bibliothek. Für die beide Kommissionsbuchhandlungen Köhler und Volckmar lieferten neben bedeutenden deutschen auch englische und schottische Künstler wie zum Beispiel Rudolf Koch, Paul Bürck, Walter Caspari, Paul Kersten, Felix Eisengräber, Talwin Morris und Constance Karslake Entwürfe. Um 1900 gab es dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen Glasgow und Leipzig.

Das Barsortiment wird auch als Zwischenbuchhandel bezeichnet; "es übernimmt von den Verlegern große Partien der gangbarsten Bücher. Um diese Zeit übernahm das Barsortiment die Bücher ungebunden (in rohen Bogen), ließ sie in einer Vertragsbuchbinderei binden und lieferte sie an den Sortimentsbuchhandel aus. " (Doris Fouquet-Plümacher: Katalog der Sammlung Kleist in Klassikerausgaben im Kleist-Museum, Frankfurt (Oder), Berlin, 2014, S. 180, online)

F. Volckmar hatte im Verlagshaus in Leipzig selbst eine Buchbinderei im 3. Stock und hat wahrscheinlich auch dort die Verlagseinbände an die vorgefertigten Buchblöcke angebracht. Vermutlich wurden sehr große Aufträge aber an die anderen Leipziger Bindereien vergeben. (Hinweis G. Dry, siehe auch Graham Dry: Internationale Beiträge zum deutschen Verlagseinband um 1900. In: Einband-Forschung 30, S. 66-74.)

Die Bände sind häufig mit geprägtem Monogramm auf dem hinteren Buchdeckel gekennzeichnet. Ebenso kann der Name auf der (Vor-)Titelseite oder dem vorderen Deckel vorkommen. Frühe Beispiele weisen Schildchen meist auf dem hinteren Spiegel auf. Eine Kennzeichnung ist aber nicht immer vorhanden. Dies kann sich von Auflage zu Auflage unterscheiden.

im Wiki
Literatur
  • Historismus und Jugendstil : Verlagseinbände aus der Stadtbibliothek Mainz und der Sammlung Mühlinghaus ; [Begleitpublikation zur Ausstellung in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz, 1.10.2009 - 6.2.2010] / Konzeption: Gerhard Mühlinghaus ; Annelen Ottermann ; Fotos: Martin Steinmetz, Mainz : Stadt Mainz, 2009 (Veröffentlichungen der Bibliotheken der Stadt Mainz ; 56). online
  • Doris Fouquet-Plümacher: Kleist auf dem Buchmarkt. Klassikerausgaben für das Bürgertum. Hildesheim 2014 (Germanistische Texte und Studien, 94), S. 149ff., Abb. des Monogramms von Karl Franz Koehler S. 150
Weblinks